Musiktipps

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Bulbul / Merzbow / Peach Pit / Wolfgang Fuchs – Supernova 2 (2009)

Mit „Supernova 2“ veröffentlichte das in Linz beheimatete Label Interstellar Records 2009 den, wie es schon aus dem Titel ersichtlich ist, zweiten Teil eines ihrer frühesten Releases: der „Supernova“- Compilation. Während nun Musiker und Tonträger beim Nachfolger Andere und anders sind, ist das Konzept dasselbe geblieben: Vier Bands/Solokünstler, die in den Bereichen rund um Noise, improvisierte- und experimentelle Musik tätig sind, bringen gemeinsam zumeist unveröffentlichtes Material über oben erwähntes Label heraus. Im Gegensatz zu dem streng limitierten vier Kassetten-Boxset von 2001 präsentiert sich der zweite Teil im futuristischem Raumschiff-Artwork auf 2xVinyl im 10“-Format aufgeteilt. Den Anfang machen drei der wohl emsigsten Männer des österreichischen Noise Rock in ihrer wahrscheinlich bekanntesten Formation BulBul (hier mit Heimo Wallner an der Trompete). Sie bringen mit „Grand Kratzscha“ ein unüblich ruhiges und beherrschtes Stück improvisierter Musik zum Besten: düstere Industrial-Atmosphäre trifft auf Wilder Westen Slide-Gitarre mit Trompeten-Luftgeräuschen à la Franz Hautzinger. Gleichsam interessant für Fans und Leute, die sich mit dem „normalen“ BulBul-Sound nicht anfreunden können. Auf der B-Seite findet man mit „1339“ Musik von Akita Masami, der es als Merzbow zu mehr als 300 Veröffentlichungen, unzähligen Kollaborationen (u.a. mit Sunn O))) und Boris) und großer Bekanntheit in der Noise-Szene brachte. Sein eben 13 Minuten 39 Sekunden langes Stück lässt sich wohl am besten als Mix aus Harsh- und Rhythmic Noise beschreiben und war schon Teil seines Studioalbums „Dust Of Dreams“ von 2005. Unabhängig von der überraschungsfreien Merzbow-Charakteristik bekommt die Hörerschaft hier extreme Musik mit sowohl berauschender als auch beinahe paralysierender Wirkung serviert. Die zweite Platte wird von Peach Pit aus Zagreb eröffnet. Die Band, die es bereits seit Mitte der 90er Jahre gibt, entwickelte ihren anfangs noch stark von frühen Big Black und Killdozer beeinflussten Sound über die Jahre zu einer dichten und vor allem tighten Mischung aus Math- und Post Rock, der ganz dem Genre-Mix entsprechend wunderbar ohne Gesang auskommt. Die Jungs würden sich ebenso gut auf Touch And Go Records machen und liefern mit ihren drei Songs das wohl am leichtesten zugängliche Material der Compilation ab. Den Abschluss macht der Wiener Wolfgang Fuchs, der zwar keinesfalls zu den Protagonisten der Impro-Szene Österreichs zu zählen ist, jedoch mit Kollaborationen mit dieb13, noid und dem Komponisten Bernhard Lang auf sich aufmerksam machen konnte. Seine Instrumente sind die Turntables und Schallplatten und so besteht sein erstes Stück „Laurenz“ lediglich aus dem Geräusch einer in der Auslaufrille gefangenen Plattennadel. Mittels dieser Idee schafft Fuchs einen fließenden Übergang zu „Rundschau“, in welchem er dann noch eine Schicht Ambient-Drone darüberlegt und damit für einen angenehmen Ausklang einer anspruchsvollen Zusammenstellung sorgt.


Mighty Baby – S/T (1969)

Mighty Baby liefern auf dem ersten (und besten) ihrer beiden Alben wunderbaren Psychedelic Rock mit mitunter folkigem Touch, der, insbesondere auf Grund des entspannten Gesangs eines gewissen Alan King, teilweise schon fast unverschämt eingängig ist. Verstecken muss sich das Debut dieser fünf Engländer wirklich vor keiner vergleichbaren Veröffentlichung - wobei hier schon die Probleme anfangen....es kommen einem nämlich kaum ähnliche Alben in den Sinn (weiterführende Tipps werden selbstverständlich herzlich gerne angenommen). Mit wohldosierten Saxophon und Flötenparts wird hier das klassische Rock Set-Up ergänzt - ganz ohne dabei kitschig zu werden oder in ausufernden Jam-Orgien zu versumpfen. Sollte es auf diesem Album Füller geben haben wir sie bis jetzt noch nicht gefunden...alles wie aus einem Guss. In jedem Fall ein Album voller Song-Perlen das musikalisch überzeugt und durch die schönen Lyrics mit der richtigen Portion Weirdness wunderbar abgerundet wirkt....definitiv ein vergessener Klassiker und völlig zu Recht ein gesuchtes Sammlerstück, welches als englische Originalpressung nicht mehr unter mehreren hundert Euro zu bekommen ist.


Neil Young + Crazy Horse – Psychedelic Pill (2012)

Mit dem lang erwarteten "Psychedelic Pill" veröffentlichten Neil Young und Crazy Horse Ende 2012 nach langer Studio-Absenz ein, in jeglicher Hinsicht, bemerkenswertes Album. Wer sich ein handzahmes Alterswerk erwartet hat, wird bereits nach wenigen Augenblicken eines Besseren belehrt: roh, experimentell, augenzwinkernd und über weiteste Passagen fast schon unerwartet hart präsentiert sich der Koloss (über 85 Minuten Spieldauer verteilt auf lediglich 9 Songs) bei dem auch das Attribut "psychedelisch" nicht auf Titel und Artwork beschränkt bleibt. Inhaltlich wie stimmlich zeigt sich Young von seiner besten Seite und setzt mit dieser Veröffentlichung ein mehr als deutliches Ausrufezeichen - dennoch polarisiert "Psychedelic Pill" gewaltig...es allen Recht zu machen ist aber (glücklicherweise) ohnehin keine Option. Die opulente Aufmachung (3 x 180 Gramm LP, Etching mit dem Bandlogo auf Seite F, multifoldout-Cover, Booklet) wird dem Album jedenfalls vollends gerecht und auch auf klanglicher Ebene darf man hier durchaus das Prädikat "herausragend" vergeben.  


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